Bei BasicThinking scheint der Arsch ganz schön auf Grundeis zu gehen. Auf jeden Fall müssen jetzt die Einnahmen rauf und die schuldigen kennt man auch: RSS-Feed-Abonnenten!
Diese Schmarotzer lesen die ganzen schönen Artikel aber nie die Werbung.
Ich habe BasicThinking nie wirklich gelesen, höchstens wenn ein guter Metablogger einen Artikel von dort verlinkt hat. Schon zu Robert Basics Zeiten nervten die "Toller Artikel"-Kommentarschleimer-Schleimkommentare und das Gewicht aller Artikel dort dürfte das der im LHC bewegten Moleküle nicht übersteigen. Es war doch meist leichte Kost und Internet-Friseur-Gerüchte-und-Neuigkeiten-Aufwärmer-Zeug. Eine Gala für Twitter- und Facebook-Nutzer. Ich fürchte, ich hätte den Unterschied zwischen einer Domainparking-Seite und dem Original auf den ersten Blick gar nicht mitbekommen.
Wenn ich eine Unternehmung habe (hätte) und diese unter 4% Rendite auf mein eingesetztes Kapital zurückspült(e), ziehe ich mich zurück und lege mein Geld auf ein Sparbuch, in ein Festgeldkonto, als Griechenlandanleihe oder als Short auf den Euro an. Und genau das ist das Problem: Die BasicThinking-Redaktion bzw. die Bude dahinter kann das nicht, weil eine Versteigerung der domain dürfte allenfalls Bruchteile der investierten Summe retten.

Really Simple S.
felix schwenzel (alles immer klein und Kommentare nur ohne Scriptblocker) hat dazu ein paar Anmerkungen geschrieben, die ich größtenteils unterstütze.
Ich persönlich sehe RSS in vieler Hinsicht als Effizienz-Tool an. Mit RSS kann (könnte) ich auch die letzte Sekunde nutzen und jederzeit Inhalte auf dem PC, Handy oder EReader lesen. Wichtigster Punkt ist aber, dass ich über alle Quellen hinweg ein ähnliches Layout habe und die Bedienung über die Tastatur (PC, Handy) oder den Schüttelsensor (Ereader) einheitlich bleibt, so dass der Lesefluss nicht ständig unterbrochen wird. Entgegen der Einschätzung von Robert Basic kenne ich fast nur Leute, die einmal angefangene Texte in ihren RSS-Feeds brav aufessen, wobei die hippen Twitter-Kinder vielleicht mit Texten von 141 Zeichen Länge schon überfordert sein könnten. Die Lesequote dürfte aber bei 1/3 oder höher liegen. Es gibt mE zwei Typen von Feed-Nutzern: die einen löschen irgendwann mal alle Feeds und steigern sich dann wieder hoch und die anderen sind ständig am Auswechseln. Alle anderen Verhalten können aus diesen beiden Varianten linear abhängig erzeugt werden.
Unterschätzt
Ich habe nicht den Überblick über alle Blogs, aber dieses Blog hat mehr RSS-Abonnenten (täglich ca. 312 IPs) als Browserbesucher(ca. 193 IPs) und das andere Blog sieht ähnlich aus, wenn ich der ad hoc nachgerüsteten und jetzt wieder entfernten Zählroutine glauben darf. Ich frage mich derzeit, ob es ein Nachteil oder der Vorteil ist, dass die meisten Web-Designer ihren RSS-Feeds kaum Beachtung schenken. Vielleicht treiben die Designer mit ihren feste-Breite-Layouts die Leser in die Feeds.
Dankbarkeitsökonomie
Was durch die Debatte um gekürzte Feeds auch zu Tage tritt ist das Selbstverständnis bzw. Wertgefühl des jeweils Vortragenden. Wenn die Herren "Redakteure" im Nachleger in Sachen Leser- und Bloggerbeschimpfung mit "Basic Thinking ist kein Hobbyprojekt" ihren heldenhaften Tag schildern, lassen sie dabei kurz unter den Tisch, dass der Hobbyblogger vielleicht schon seit anderthalb Stunden aus dem Haus ist (vorher aber noch den ___ in dem Fileserver tauschen durften), wenn der BasicThinking-Wecker "geht" und dass der selbständig sein Leben (und oder Studium) finanzierende Hobbyblogger auch mal eine 96-Stunden Woche hinlegt, nicht mit den Technikern reden kann (weil Selbstgespräche noch nicht allgemein akzeptiert werden) und nur selten unique aus seiner Tages-Welt berichten kann (weil er entweder eine Zusatzvereinbarung zum Arbeitsvetrag oder ein Non-Disclosure-Agreement unterschrieben hat). Der eigentliche Unterschied ist: Die "Redaktion" wird fürs bloggen bezahlt und kann in der Regel die Haftung im Falle einer Abmahnung auf eine GmbH abwälzen und der Betreiber eines Hobbyprojekts nicht.
Zwischen den Zeilen lese ich etwas, dessen Eingeständnis nicht webzwonullig ist:
Die Werbebudgets im Netz waren schon immer schmal und das, was Google und Facebook übrig lassen, ist nur noch ein Strich. Alle Wachstumshoffnungen werden regelmäßig entweder von platzenden Blasen und oder Wirtschaftskrisen je nach Jahreszeit im Westen oder Asien genullt. Das heißt, dass es für viele nicht reicht und bei den Profi-Blogs wie in der Wirtschaft1.0 nun Reise nach Jerusalem gespielt wird.
Ich sehe in dem Basic-Thinking Aufschrei und der Kürzung der Feeds mit dem Verweis auf die Werbung eine ähnlich kapitale Fehleinschätzung wie H. Burda sie Google gegenüber an den Tag legte.
Mit der Forderung nach "Dankbarkeit" wird verklausuliert, dass man einen Anspruch auf mehr Einnahmen hätte. Wenn dann die Leser auch noch Werbeblocker einsetzen oder gar ein Medium wählen, für das es nahezu keinen Werbemarkt gibt ist der Schuldige schnell ausgemacht. Der Feed-lesende Schmarotzer wird nun gezwungen auf die Seite zu gehen, wenn er den ganzen wertvollen Artikel lesen will.
"Handle weise. Plonke leise"
Im Usenet bezeichnet man das Filtern der Beiträge eines Störers als Plonken. Ich würde normalerweise keinen Artikel um die Kürzung eines Feeds verfassen, den ich nicht mal plonken kann bzw. erst abonnieren müsste um ihn wieder rauszuwerfen, wenn die Diskussion nicht so exemplarisch wäre.
Mit Ausnahme der Twingly-Suchergebnis-Feeds, die bei mir Rivva.de ablösten, habe ich alle Teaser-Feeds aus dem Reader geworfen. Teaser-Feeds bringen mich in der SBahn oder im Bus nicht weiter. So wichtig, dass ich mir merke nochmal wohin zu surfen, wenn ich aus dem Tunnel komme, ist kaum ein Blog; auch nicht, wenn die Redakteure um sieben aufstehen und im Bett mit Technikern sprechen. Im Gegenteil: Mit Teaser-Feeds kann man fix viele Leser verprellen, wenn der Text nicht hält was der Teaser verspricht. Dass nun vermehrt Profis den "Redakteuren" von Robert Basics Ex-Blog beipflichten, zeugt von einem branchenweiten Realtitätsverlust. Wenn die gleichen Akteure den Verlegern zu jeder Gelegenheit selbigen vorgeworfen, kann man das nur noch als bizarr bezeichnen.