Flip: Flop.

Sonntag, 21. Februar 2010

Bild
(Bild von Ged Carroll)

Ich konnte gestern die Flip-Kamera, speziell die Ultra-HD, die Jeff Jarvis als ganz heißes Produkt und Zukunft des Journalismus erwähnte, in die Hand nehmen und etwas damit spielen. Kurz: Die Idee, ein Handy, das nicht telefonieren kann, zu bauen ist toll. Ich hätte ja noch einen telefonlosen Draht im Angebot...

Lang: Alle mir bekannten Kameras dieser Klasse dieser Größenordnung haben Fixfokus-Optiken, Digitalzoom und einen "HD"-CMOS-Sensor. Die Optiken haben durch die Bank weg etwa 3mm Frontlinsen-Durchmesser, wie bei größeren Smartphones, was auf einen 1/4,5"-Sensor und etwa 2µm² pro Pixel tippen lässt. Kleine Sensoren haben Vorteile, wenn man die Optiken nicht mitverkleinert.
Ansonsten fallen Werte wie Lichtstärke des Gesamtsystems, Blendenumfang und absolute Schärfe mit der Sensorfläche. Im Vergleich mit einem 576-Zeilen Camcorder der frühen Digitalzeit stinken die Taschenkameras ziemlich ab sobald man sich nicht mehr in fensterlosen Räumen befindet. Die zwangsweise Nachkompression durch die Speicherung als H.264 Quicktime verstärkt durch Blooming-Artefakte die Unschärfe sogar noch. Von den 1080 Zeilen bleiben so gefühlte 400 über. Die Videos lassen sich ausschließlich mit der mitgelieferten Software herunterladen und nur nach Recodierung schneiden.

Sollte Cisco / Flip eine Kamera in diesem Zigarettenschachtelformat mit ernstzunehmender Optik und Sensor herausbringen wäre ich dabei. So aber ist der qualitative Abstand zu meinem Handy oder gar Pocketvideo750 zu gering und der zu einem richtigen Camcorder zu groß. Müsste ich derzeit aus den Flip-artigen eine Kamera auswählen, würde ich zur Kodak Zi8 greifen, die eine Mikrofonbuchse bietet und deren ImageProzessor oder Speicherkarteninterface deutlich mehr unter der Haube hat. Zumindest wirken deren Filme nicht ganz so verhagelt, obwohl sie prinzipiell alle Schwachpunkte teilt. Alle diese Kameras sind jedoch erheblich zu teuer. Für den gleichen Preis bekommt man bereits Flashkarten-Camcorder mit Autofokus, echtem optischen Zoom, 1/3"Sensor und vernünftiger Handhabe bei nur geringfügig gesteigertem Gewicht.

P.S.: Ich möchte keine Verbindung zwischen dem Wert der Aussagen zu den Flip-Kameras und anderen Jarvis-Thesen herstellen.